MajaLichtenstein
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Kreuzfahrt ins Glück


Da mein Vater gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist, wir aber dem Reisevergnügen keinen Abbruch tun wollten, begaben wir uns auf einen Trip, der für naturverbundene Menschen wohl eher einem Albtraum gleicht, denn einem Vergnügen. Eine Kreuzfahrt in die westliche Karibik mit dem Ziel Labadee! Ich wollte schon immer nach Haiti, in erster Linie, um dort die Wellen auf meinem Brett zu erkunden, allerdings gab es noch einen Grund, der mich von Anfang an faszinierte und das war der dort betriebene Vodookult. Yeah! Also saßen wir nun auf einem übergroßen Kahn und schipperten über die Weltmeere, der Sonne entgegen. Nach ein paar Tagen war der Mangel an echtem Menschentum deutlich zu spüren und fand seinen Höhepunkt an einem x-beliebigen Tag beim Dinner am Abend. Dort kamen verschiedenste Charaktere an unserem Tisch zusammen, im allgemeinen eine snobistisch und besserwisserische Masse, die nur durch die gemeinsame Einnahme des Essens zusammenfand. Wir mittendrin. Nach einigen Bissen fing Vanessa- eine Frau um die vierzig- an zu erzählen, wie sie plant komplett aus der Gesellschaft auszusteigen, um irgendwo ein in der Natur belassenes Leben zu führen. Ohne Hektik, ohne Kapitalismus, ohne Konsum. Wir nahmen ihre Worte zur Kenntnis, reagierten aber nicht darauf. Nachdem der weibliche Aussteiger mit dem Aussteigerthema nicht so recht Fuß fassen konnte, wurde das Thema schnell verfeinert. Ganz nach dem Motto:  Hast du was, bist du was. Hellblaue Träume werden nach ein paar Jahren rosarot. Und unserer Aussteigerin verliert sich gern in rosarote Träume. Frühere Traumjobs begraben jegliche Minderwertigkeitskomplexe, gekaufte Güter wechseln den Besitzer, gefolgt von heroischen Taten, die natürlich nicht fehlen dürfen.

Gisa, die einzig coole Frau in unserer kleinen Gesellschaft, möchte auch mitreden und erzählt unserer Tischrunde, da ja gerade Grundstücke gehandelt und verhandelt werden, dass ein Freund ganz günstig nach dem Krieg 10.000 qm Land am Lago Maggiore gekauft hätte. Heute undenkbar.

Ja, ganz beachtlich, warf unserer Aussteigerin ein, ihr hätte einmal ein Grundstück von 40.000 qm gehört. Wir sind alle überrascht und schauen auf, mein Vater greift zum Wein. 40.000 qm ist ein beachtlicher Fleck Erde. Worauf sie sagt: „Nein, nein liebe Mitreisende, ich meine 40.000 qm-Kilometer!“ Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Aber jetzt reicht es und ich werfe ein: „Wo hat denn in dieser Zeit der König von Tonga gelebt? 40.000 Kilometer Länge weist ja nur der Äquator auf soweit ich mich nicht irre.“ Weibliche Aussteigerin schweigt.

Ach, was wäre der Mensch nur ohne das Motto, wer angibt, hat mehr vom Leben. Der Schiffsfreund der Aussteigerin beteiligt sich zur Unfreude aller auch an dem Thema. Titel und Job geben nicht viel her. Aber auch er ist zu Geld gekommen.  Den Monat November, so gibt er bekannt, könne er in Deutschland nicht ertragen, er habe in diesem Jahr noch eine Passage auf der MS Europa, dem Traumschiff für Bessergestellte, gebucht. Ich frage begeistert, wohin? Ja, wohin, das weiß er nicht. Drei Wochen kosten 20.000 Euro, da wird es schon interessant sein. Oh mein Gott, arme Menschen, die trotz Reichtum nicht einen Funken Stil in sich haben.

Mein Vater schaut mich an, ich kenne diesen Blick. Spontan erklärt er, dass wir nach dieser Reise eine Firma gründen werden, mit dem Werbeslogan „Damit Sie auch nach dem Urlaub noch das sind, was Sie im Urlaub zu sein vorgegeben haben. Sprechen Sie zuerst mit uns, bevor Sie Ihre Urlaubsfreunde einladen!“

Niemand kann mit diesen Sätzen so richtig was anfangen, allgemein verwirrte Blicke schweifen umher bis mein Vater seinen Zuhörern erklärte, dass er vorhabe, Supervillen anzumieten, und zwar mit Personal und Lage ganz nach Wunsch, Innenausstattung selbstverständlich luxuriös mit Löwen und Tiger als Haustiere, vielleicht auch einige exotische Affenarten. Diese Villen vermietet er dann an unsere Mitreisenden zum Empfang ihrer Wochenendgäste. Die Rolle des Butlers und des Dienstmädchens werden er und ich, seine Tochter, übernehmen. Ich hatte Mühe nicht lauthals loszulachen. Er aber lächelte total ernst und zuckersüß in die Runde und biss dann genüsslich in seine mit Petersilie verfeinerten Bohnen. Jegliches Gespräch verstummte. Keiner wagte mehr etwas zu sagen. So passend ich diese Einlage zum Thema finde, bei den anderen ist sie nicht gut angekommen. Thema beendet, Sinn nicht verfehlt.



18.12.15 17:36
 
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